Tag 7: An den Stränden der Normandie

Omaha Beach Normandie

Wir haben eine sehr ruhige und angenehme Nacht genossen. Der Stellplatz liegt idyllisch am Rande von Weizenfeldern. Entlang einer Allee mit schönen Bäumen gelangt man zum malerischen Dorfkern mit Fachwerkhäusern. Wir hatten während des Aufenthaltes nicht viel Nachbarn um uns herum. Als wir aufwachen, sind einige bereits abgefahren. Birgit war gestern schon mal zum Dorf gelaufen, denn im Tabac-Shop war das Ticket mit 6€ für diesen kommunalen Stellplatz zu bezahlen. So machte sie sich am Morgen nochmals auf den Weg, um bei der Boulangerie frisches Frühstücksbaguette zu besorgen, während ich im Auto vorbereite. Nach einem kurzen erfolglosen Ausflug, die Bäckerei hatte nämlich leider geschlossen, frühstücken wir mit Resten aus dem Brottütchen des Vortags und machen uns bald auf den Weiterweg.

Bei Janville Normandie
Bei Janville

Der Himmel ist bedeckt und die Temperaturen sehr angenehm kühl als wir auf kleineren Nebenstraßen weiterfahren. Von Beuvron-en-Auge geht es über Janville nach Caen. Besondere Bedeutung kam der Stadt Caen im Zweiten Weltkrieg zu. Sie galt nach der Landung der Alliierten im Juni 1944 als erste wichtige französische Stadt, die einzunehmen war, um als Eisenbahnknotenpunkt zu dienen.

Omaha Beach

Und da sind wir schon beim eigentlichen Tagesthema unserer Reise durch Nordfrankreich. Eng verbunden mit der Normandie sind natürlich die Ereignisse in jenem Juni 1944, als die alliierten Truppen die Küsten der Normandie als Landungsort bestimmt haben. Ich kann nicht an diesen Orten vorbeifahren, ohne die Bilder des mehrfach preisgekrönten Films „Soldat James Ryan“ von Stephen Spielberg im Kopf zu haben. Dieser Teil der Geschichte der Normandie wird uns heute beschäftigen und wir werden einige der historischen Plätze besuchen.

Direkt nach Bayeux, welches berühmt ist für seinen aus dem 11. Jahrhundert stammenden Bildteppich mit der Darstellung von Szenen der Eroberung Englands durch Guillaume le Conquérant, biegen wir in Richtung Küste ab und suchen den Weg nach Colleville-sur-Mer. Es gibt viele Orte an der Küste, aber Omaha Beach kennt man wohl am ehesten. An immer mehr Stellen wie zum Beispiel Hotels wehen Fahnen der Alliierten Nationen.

Im auf den ersten Blick unscheinbaren Colleville folgen wir den Schildern zum Omaha Beach, also dem Plage de Colleville, und stehen kurz darauf auf dem Parkplatz einer Segelschule. Parken kann man hier schlecht, wir stellen Womi an den Rand der Plätze für Busse und gehen zu Fuß die paar Meter in Richtung Strand. Es scheint nichts daran zu erinnern, was hier vor über 70 Jahren passiert ist aber es gruselt mich. Schöne neue Gebäude der Wassersport-Schule umrahmen den Strand und eine Handvoll Kinder haben Spaß im Wasser auf ihren Stand-Up-Paddling Boards. Was für ein Kontrast zu meiner Gefühlswelt in diesem Moment. Aber ist es nicht auch ein schönes Zeichen?

Zwei Gedenkstätten

Amerikanische Flagge
Amerikanische Flagge auf dem Gelände der Gedenkstätte

Wenige Hundert Meter entfernt auf der Anhöhe finden wir die Zufahrt zum Parkplatz des „Normandy American Cemetery“, dem US-amerikanischem Soldatenfriedhof und Gedenkstätte. Unverkennbar viele Amerikaner, durch Kleidung, Caps und Sprache leicht zu erkennen, besuchen mit uns die Gedenkstätte. Bald stehen wir an einem Wasserbassin mit einer beeindruckenden Architektur und einer eingravierten Karte der Strände der Invasion: Utah, Omaha, Gold, Juno, Sword. Im weiteren Verlauf führen Wege durch den Park zu Aussichtsbalkonen in Richtung Meer und dann auch zum riesengroßen Gelände des Soldatenfriedhofs mit den weißen Kreuzen und dem halbrunden Säulengebäude mit riesigen Wandkarten des Verlaufs der Landung 1944. Ich bin tief ergriffen und sage während des Aufenthalts kein einziges Wort. Aus der Ferne hören wir Musik und als wir näher kommen sehen wir eine Gruppe von deutschen Schülern, die am Rande vor dem Gebäude ein Stück präsentieren. Als über das Gelände eine Staffel an (wohl) zeitgenössischen Propellerflugzeugen zweimal einen Ehrenkreis fliegt, ist die Gänsehaut perfekt. Wir blicken an den unglaublich hohen, weißen Fahnenmasten mit Stars and Stripes entlang nach oben und schauen den Flugzeugen nach.

Nach einer halben Stunde verlassen wir das Gelände durch eine Art Besucherzentrum und beschließen, dass wir noch ein wenig weiter nach Westen fahren, um den deutschen Soldatenfriedhof in La Cambe zu besuchen. Was für ein Kontrast. Auf einem überschaubar weitem Gelände finden sich in unregelmäßigem Muster verstreut Steinkreuze und Grabplatten. In der Mitte ein Aussichtshügel. Andächtig drehen wir eine Runde über die Wege und kehren dann zurück durch das enge Steintor auf den Parkplatz des „Friedensparks“.

Soldatenfriedhof in La Cambe Normandie
Soldatenfriedhof in La Cambe

Es gäbe noch weitere Gedenkorte, die an die dramatischen Ereignisse erinnern, zum Beispiel den Pointe du Hoc, einer besonders umkämpften Stellung an der Küstenlinie, wo bis heute Bunkeranlagen und Bombenspuren zu sehen sind. Dies haben wir ausgelassen.

Am frühen Nachmittag endet unsere Historientour und wir entscheiden uns für die Weiterfahrt in Richtung Westen. Vorbei an Saint Lô, einer Stadt, die im Krieg besonders stark zerstört worden ist, fahren wir über Carentan, Countances, Granville bis nach Avranches. Die Küstenlinie der Contentin-Halbinsel (der Spitz mit der Stadt Cherbourg) fahren wir nicht ganz aus, sondern kürzen aus Zeitgründen etwas ab. Vielleicht auch weil uns dort oben ein wenig zu viel Uran in der Luft liegt – Stichwort Wiederaufbereitungsanlage La Hague.

Ein Highlight kommt in Sicht: der Mont-Saint-Michel

Von Avranges soll man bereits einen Blick auf den Mont-Saint-Michel und seine Bucht haben. Wir passieren die Stadt mit seiner mittelalterlichen Festung und sehen erst einmal noch nichts vom berühmten Klosterberg.

Die Küsten sind hier sehr flach, erinnern uns eher an die Salzwiesen in Nordfriesland. Auch die vielen Schafe auf den unendlich großen Weiden sehen sehr nach Sankt Peter Ording aus. Wir fahren den Schildern nach und dann plötzlich ist es soweit. Wir sehen den Mont-Saint-Michel, das Wahrzeichen der Normandie, zum ersten Mal auf dieser Reise. Auf einem Parkplatz am Straßenrand halten wir und bewundern die einmalige Silhouette im Wattenmeer.

Damit wir einen guten Ausgangspunkt für unsere Ausflüge zum Klosterberg haben, mieten wir uns am dem Campingplatz „Camping du Mont-Saint-Michel“ ein. Die Anfahrt gestaltet sich etwas schwierig. Der letzte Ort mit Hotels, Geschäften, dem Shuttle-Bus und eben dem Campingplatz befindet sich innerhalb eines geschlossenen Areals. Man kann nicht mehr, wie damals in den 90er Jahren, direkt vor dem Mont-Saint-Michel parken. Dort wurde die Anfahrt komplett verändert. Ihr kommt nur mit einem PIN-Code durch die Schranke, den ich bei einem Telefonat mit der Rezeption des Campingplatz bekommen habe.

Dieser CP ist der nächstliegende Platz mit Anbindung an den Shuttle-Bus zum Berg. Weitere Plätze liegen weiter außerhalb, wie z.B. der Camping aux Pommiers in Beauvoir mit Stellplatz. Von hier aus ist es allerdings ein wenig Strecke zu laufen (oder zu radeln) bis zur ersten Busstation am großen PKW-Parkplatz. Für Tagesbesucher gibt es ausreichend große Parkplätze am offiziellen Parkplatz.

Wir checken ein – die Rezeption des angrenzenden Hotels ist gleichzeitig der Empfang für den Campingplatz – und freuen uns auf den bevorstehenden Besuch am Berg. Es lässt uns nicht los, wir wollen gleich am Abend noch den Shuttle-Bus ausprobieren und fahren kurz vor Sonnenuntergang los. Die Haltestelle liegt gleich außerhalb des Campingplatzes. Was wir gesehen und erlebt haben, lest ihr aber erst beim nächsten Artikel unserer Serie.

Weiter zu Tag 8: Am Mont-Saint-Michel

 

Erster Blick auf den Mont-Saint-Michel
Erster Blick auf den Mont-Saint-Michel

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