Tag 10: Die Korsarenstadt Saint Malo

Saint Malo Fort National

Gefahrene Kilometer gestern: Null. Und wir haben es auch genossen. Der Joker-Tag in Saint-Benoît-des-Ondes war erholsam und entspannend. Der Ausblick und der direkte Zugang zum flachen Strand im Stil des Norddeutschen Wattenmeers hat uns sehr gut gefallen. Und das Essen mit frischen Garnelen war super lecker obendrein.

Austernhauptstadt Cancale

Unser Ziel ist weiterhin, die Küste möglichst nahe am Meer entlang nach Westen zu fahren. Nach dem Frühstück verlassen wir den Camping Municipal und fahren die kleine Straße weiter direkt an der Küste entlang. Die Bucht macht hier einen Bogen und wir folgen der Küstenlinie in Richtung Norden. Schon bald erreichen wir den Hafenort Cancale. Am Hafen finden wir einen Parkplatz für Womi zwischen den Häuserfronten aus Stein und dem Hafenbecken. Die Sonne scheint und wir blicken auf die Smaragdküste, auf Französisch Côte d’Émeraude. Diese heißt so, weil sich das Meer zu bestimmten Zeiten in den Farben von Smaragden färbt und schimmert. Der Parkplatz ist eigentlich zu klein für Wohnmobile, aber zu dieser Jahres- und wohl vor allem Tageszeit ist so wenig los, dass wir quer parken können. Zumindest für die kurze Zeit während unseres kleinen Erkundungsspaziergangs am Hafen entlang.

Cancale ist die Austernhauptstadt der Bretagne. Französische Könige wurden von hier mit der Spezialität beliefert. In den Austernbänken, die durch die Gezeiten immer wieder überspült und freigelegt werden, züchten die Fischer heute die Pazifische Felsenauster und die Europäische Auster. Diese Sorten sollen in Gourmet-Restaurants des Landes und auch im Ausland einen hervorragenden Ruf haben. Wie es schmeckt können wir euch leider nicht sagen, denn für uns beide ist dies keine Spezialität auf unserer Speisekarte.

Das erste Mal echtes Bretagne Feeling

Wir bleiben nicht lange und fahren weiter in Richtung Norden. Gerne fahren wir exponierte Orte an und die Landspitze – die Pointe de Grouin – interessiert uns natürlich. Und wir werden mit tollen Ausblicken belohnt. Zum ersten Mal erleben wir das eigentliche Küsten-Feeling der Bretagne. Felsige Klippen, tobendes Meer darunter, viel Wind. Wir bekommen bereits hier einen Vorgeschmack auf die weiteren Caps, die wir besuchen werden.

Das Cap bei der Pointe de Grouin ist mit flachen Büschen und Heidekraut bewachsen und seit den 60er Jahren Naturschutzgebiet. Viele Vogelarten nisten dort. Trotzdem ist der Ort touristisch erschlossen und auch als wir dort sind, spuckt ein Bus eine mittelgroße Menge an Menschen aus, die den Weg vom Parkplatz bis vor zur Landspitze laufen. Die Wege sind – wie bei anderen Orten in der Bretagne – wenig gesichert. Ihr solltet also schon ein wenig aufpassen, wo ihr hinlauft. Kinder sollten nicht alleine an die Kanten gehen. Die Wege an sich sind gut zum Laufen vorbereitet, auch die felsigeren Stellen gehen. Zumindest bei Trockenheit. Eine gute Stunde verbringen wir dort, inklusive dem Guten-Tag-Sagen bei einem  Ziegenrudel auf einer angrenzenden Weide. Es ist ungefähr Mittagszeit als wir wieder aufbrechen und das Cap in Richtung Süd-Westen, später nach Westen verlassen.

Fort Guesclin
Fort du Guesclin

Die Strecke nach Saint Malo, unserem nächsten Ziel, ist eine sehr malerische Küstenroute. Wir folgen der D201 und genießen bei herrlichem Sonnenschein den Ausblick auf immer neue Küsten, Buchten und Inseln. Besonders ins Auge sticht das Fort du Guesclin auf der gleichnamigen Insel direkt vor der Küste. Dieses befestigte Gebäude auf der Felseninsel hat – natürlich – eine lange militärische Karriere hinter sich. Zuletzt wurde die Insel von der deutschen Armee 1942 besetzt und in einen Flak-Standort umgebaut. Heute ist das Haus in Privatbesitz. Parken können wir in der Gegend leider sehr schlecht. Wir passen einfach nicht unter die 2,20 m-Barriere, die die französischen Kommunen gerne mal an die Einfahrt zu schönen Parkplätzen anbringen.

Die Korsarenstadt Saint Malo

Bald erreichen wir Saint Malo, die alte Korsarenstadt. Als wir die Küstenpromenade entlang fahren und die Holzpfäle und das Fort sehen, erinnere ich mich lebendig zurück an meinen letzten Besuch hier im Jahr 1994. Auch hier ist es nicht ganz einfach, mit Womi einen Parkplatz zu finden. Ein Stück zurückgesetzt von der Altstadt und der Hafenmole parken wir im Industriehafen an der Straßenseite auf einem Schotterstreifen. Der Weg ist dann aber nicht weit zu laufen. Wir machen uns auf die Socken und wandern zurück zur Hafenseite und schlendern an der Seite der Grande Plage (Strand) entlang in Richtung Altstadt.

Wie man nachlesen kann, ist Saint Malo nicht nur ein bedeutender Hafen in der nördlichen Bretagne, sondern auch einer der am meisten besuchten Touristenorte Frankreichs. Und die vielen Menschen haben natürlich Recht. Jetzt im Nachgang zur Reise ist Saint Malo eines der Highlights unserer Reise und wir können allen unseren Lesern nur empfehlen, diese schöne, alte Stadt nicht auszulassen. Besonders interessant ist natürlich die Altstadt, die durch eine lange Festungsmauer eingegrenzt ist und von drei Seiten vom Wasser umspült ist.

Zu Fuß durchs Meer

Beim Spaziergang an der Strandseite entlang fällt einem ganz augenscheinlich das Fort National auf.  Diese auf einer Gezeiteninsel errichtete Festung diente der Verteidigung der Küste bei einem Angriff durch die Engländer. Das Besondere ist, dass man bei Ebbe zu Fuß zur Insel rüberlaufen kann. Und wir haben Glück! Wir haben Niedrigwasser und machen uns natürlich auf den nicht all zu langen Weg.

Saint Malo vom Fort National aus gesehen
Saint Malo vom Fort National aus gesehen
Cathérale Saint Vincent in Saint Malo
Cathérale Saint Vincent in Saint Malo

Klar, die Felsen und das Fort sind interessant anzusehen aus der Nähe, aber noch viel schöner ist der Blick von dort auf die Altstadt von Saint Malo. Das Fort kann man gegen Gebühr besichtigen, was wir allerding auslassen. Der Weg führt uns nach einiger Zeit wieder zurück aufs Festland und die Festungsmauer entlang in Richtung Altstadt. Das Wetter ist blendend und die Sonne tut ihr übriges, uns den Besuch schmackhaft zu machen. An der Südseite der Mauer biegen wir durch eines der Tore ab in die Altstadt und bummeln durch die Gassen. Besonders beeindruckend ist der Besuch der Cathédrale Saint Vincent. Ein Organist probt ein dramatisches Werk und wir sitzen lange auf den unbequemen Holzbänken und lauschen.

Unsere Tour geht weiter durch die Stadt. Als wir so langsam die Kurve zurück zum Innenhafen nehmen ziehen leider einige Regenwolken auf. Es beginnt zu tröpfeln, als wir an einem alten Korsarenschiff vorbei schlendern. Wir haben den ganzen Nachmittag in Saint Malo verbracht und haben es sehr genossen. Eine tolle Atmosphäre. Gegen 18 Uhr verlassen wir die alte Stadt und nehmen aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit die Hauptstraße in Richtung Westen. In Ploubalay tanken wir und kaufen im Carrefour Supermarché neue Lebensmittel ein. Für morgen haben wir ein großes Ziel auf dem Radar: das Cap Fréhel.

Die restliche Fahrt des Tages ist schön, aber es gibt nichts Besonderes zu berichten. Da es merklich regnet und es schon nach 19 Uhr ist suchen wir uns einen Übernachtungsplatz. Zuerst fahren wir zum Camping Fréhel, sehen aber kurz vorher einen anderen tollen Campingplatz mit Blick zum Meer.

Camping Pont de l'Etang Fréhel
Camping Pont de l’Etang Fréhel

Es ist der Camping du Pont de l’Etang, ein Municipal. Wir checken dort ein und suchen uns einen Platz. Der Platz ist sehr groß und luftig zwischen den Bäumen des Küstenwaldes. Sehr hügelig allerdings und auch unübersichtlich, so dass wir einige Zeit umherfahren bis wir dann doch wieder einen Platz eher in Richtung Rezeption zwischen den Bäumen finden. Wir wollten eigentlich Meerblick, aber irgendwie finden wir den richtigen Weg nicht durch den Wald zur vorderen Seite des Platzes. Auch sind die Wege eng und nicht immer geeignet für unser Womi, so dass wir ein paar Mal stoppen und wieder umdrehen. Aber es ist schön und ruhig an dem Platz, und wir haben Strom.

SchlauiWomiCamping du Pont de l’Etang

Pléhérel-Plage
22240 Fréhel

GPS: 48.652556, -2.356274
http://www.camping.frehel.info

 

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