Tag 14: Die Strände und Buchten der Bretagne

Tag 14: Die Strände und Buchten der Bretagne

Wir haben gestern einen sehr ruhigen Tag verbracht. Nach dem Ausflug nach Roscoff, wo wir wieder mal keinen schönen Parkplatz gefunden haben, war der Rest des Tages und die Nacht sehr ruhig. Der Stellplatz an der Route du Laber war fast vollständig gefüllt und wie zu erwarten hatten wir nicht als Einzige die Idee, am Vormittag vor der Weiterfahrt die nahe gelegene Entsorgungsstation zu benutzen. Kurz zu warten wäre ja kein Problem, aber zuzusehen, mit welcher Ruhe und Geduld die Campingkollegen die Entleerung ihrer Wasser- und Toilettentanks zelebrieren, ist mir dann doch zu zeitintensiv. Wir brechen das Warten in der Schlange also ab und setzen unsere Fahrt nach Westen fort. Ziel für heute: der westlichste Punkt unserer Bretagne-Reise und einer der westlichsten Stellen von Festland-Frankreich.

Felder mit Artischocken in der Bretagne
Felder mit Artischocken in der Bretagne

Es tröpfelt ein wenig, als wir in der Nähe der Ortschaften Cléder und Plouescat an riesigen Feldern mit Artischocken vorbeifahren. Das Klima hier in der Nordbretagne ist perfekt dafür: viel Sonne, im Winter kaum Frost und keine übermäßigen Hitzeperioden im Sommer. Die Region ist bekannt als der Gemüsegarten, und das ist auch beim Vorbeifahren kaum zu übersehen. Wir fahren weiter westwärts und passieren hinter Plouescat den ersten schönen Küstenabschnitt des Tages. Immer der Küste nach lautet unsere Devise für diese Reise, der wir weiter folgen und an der Nordseite den Ort Brignogan-Plage erreichen.

Die Felsenbucht bei Brignogan-Plage

Auf gut Glück fahren wir beim Ort Brignogan-Plage in Richtung Wasser und treffen auf einen Parkplatz mit Zugang zum Strand direkt neben einem Campingplatz. Der Himmel ist stark bewölkt und das macht einen eher bedrohlichen Eindruck. Wir lassen uns davon nicht abhalten und machen uns auf in Richtung Strand. Was wir entdecken ist eine schöne Bucht mit Hafen und wenig Trubel, bis auf eine Jugendgruppe, die sich bei einer Segelschule auf ihren Ausflug vorbereiten. Im seichten Wasser spaziert außerdem eine kleine Gruppe von Damen fortgeschrittenen Alters durch die Bucht und praktiziert Water-Walking. Als wir weiter weg vom Sandstrand wandern verwandelt sich die liebliche Bucht plötzlich zu einer Felsbrocken-Landschaft. Riesige Steine türmen sich aufeinander und laden ein zum Klettern. Zum Glück habe ich Schuhe mit gutem Profil an und  rutsche nicht ab. Der poröse Granit gibt außerdem guten Halt. So verbringen wir bestimmt eine Stunde oder mehr beim herumwandern und genießen die Aussicht.

Wir haben ja immer noch unsere Abwassertanks relativ gefüllt und sind positiv überrascht, als wir kurz nach der Weiterfahrt in Städtchen Guissény einen Wohnmobil-Stellplatz finden, bei dem man auch entsorgen können. Wir machen dies und genehmigen uns eine Mittagspause dort. Nicht besonders schicke Aussicht, aber man könnte sich den Platz als Haltepunkt notieren.

Lilia und der höchste Leuchtturm Europas

Die Bucht bei Lilia – Leuchtturm Île Vierge

Auf der weitere Tour an der Westküste der nördlichen Bretagne entlang entdecken wir kurze Zeit später einen sehr prägnanten Leuchtturm. Da wir immer auf der Suche nach schönen Plätzen an der Küste sind, ändern wir die Fahrt aufs gerade Wohl hin in Richtung Leuchtturm. Nicht ganz einfach, auf Sicht zu fahren und das Ziel gerade in den kleinen Städtchen nicht aus den Augen zu verlieren, aber wir schaffen es und landen auf einem Parkplatz direkt am Wasser. Mittlerweile ist die Temperatur auch gestiegen und die Sonne kommt zwischen den Wolken durch. Wir sind am Strand in der Nähe der Stadt Lilia (nächste größere Stadt ist Plouguerneau) und der Leuchtturm ist tatsächlich nicht am Festland, sondern auf einer vorgelagerten Insel namens Île Vierge.

Der Leuchtturm Phare de l’Île Vierge

Kein Wunder, dass wir den Leuchtturm von so weit schon gesehen haben. Der Phare de l’Île Vierge ist mit seinen 82,5 m Höhe tatsächlich der höchste Leuchtturm Europas. Er wird als historisches Monument Frankreichs geführt und kann besucht werden. Der Turm hat eine klassische, schlichte Architektur und wurde seiner heutigen Form um die Jahrhundertwende 1900 gebaut. 55 Jahre zuvor wurde an der Stelle ein erster Leuchtturm gebaut, damals allerdings „nur“ mit der Höhe von 31 Metern.  Bei Ebbe kann er zu Fuß erreicht werden, ansonsten ist das Boot das Mittel der Wahl.

Wir haben keine Ebbe und besuchen den Leuchtturm selbst nicht, aber für eine spätere nochmalige Tour merken wir uns den Platz sicherlich. Was wir aber schon tun, ist das Planschen im nicht all zu kalten Wasser der Bucht. Also hoch die Hosenbeine und hinein in den weichen Sand. Das muss sein.

Die Badebucht bei Porspoder

Nach diesem Spaß mit nassen Hosenbeinen reisen wir weiter auf der Suche nach Traumbuchten der Bretagne und werden bald wieder fündig. Das macht die Bretagne hier oben so schön und spannend. Hier reiht sich eine schöne Bucht an die andere – und das wird so weitergehen. Über Lanilis, Trégnolou und Ploudalmézeau erreichen wir die Westküste der Bretagne bei der Stadt Porspoder. Wir befinden uns bereits im Arrondissement von Brest, also schon weit im Westen. Der Weg zum Strand führt über ein sehr weites, offenes Gelände in Richtung Meer. Mit dem Auto kein Problem, wir finden auch einen Parkplatz an der Straßenseite.

Die kleine Bucht mit Sandstrand ist eingebettet in die typische Felsenlandschaft der Gegend hier. Einige wenige Leute sind hier und nutzen den Strand zum Baden. Als wir dort sind, ist nicht so viel los, aber ich kann mir vorstellen, dass hier in der Hochsaison viele Autos direkt am Wasser parken und man mit dem Wohnmobil nicht so entspannt vorfahren kann. Wir spazieren eine ganze Zeit durch die Hügel der Küste und genießen die Natur und das schöne Wetter.

Lampaul-Plouarzel – die westlichste Stelle unserer Reise

Wohnmobil Stellplatz Bretagne bei Lampaul-Plouarzel
Wohnmobil Stellplatz Bretagne bei Lampaul-Plouarzel

So langsam nähern wir uns dem Zeitfenster fürs Suchen eines Übernachtungsplatzes. Ein Stückchen südlicher haben wir per App einen Stellplatz direkt am Meer ausgemacht. Als wir eine halbe Stunde später durch den Ort Laumpol-Plouarzel fahren, treibt uns der Hunger und wie gerufen steht am Platz neben dem Rathaus eine mobile Holzofenpizzastation. Bewaffnet mit zwei Pizzaschachteln voll lecker duftender italienischer Essenskultur fahren wir die kurze Strecke weiter in Richtung Stellplatz. Was für ein schöner Ausblick. Terrassenförmig angelegt, grün bewachsen mit tollem Blick auf die Küste – und wir am Abendessentisch draußen in der Sonne mit frischer Pizza.

SchlauiWomiAire de Camping Cars

Beg ar Vir
29810 Lampaul-Plouarzel

GPS: 48.447556, -4.776614
http://www.i-campingcar.fr/aires.php?ville=lampaul%20plouarzel

Wir vertilgen natürlich gleich das Essen, damit es nicht kalt wird, während kurz nach unserer Ankunft der freundliche Platzwart mit seinem Assistenten vorbeikommt und uns verwundert guten Appetit wünscht, aber gleichzeitig die Gebühr für den Stellplatz einfordert. Nachdem alles vertilgt ist, machen wir uns auf zu einem Abendspaziergang im Sonnenuntergang zur nahen Küste. Kitschig, aber wunderbar endet dieser schöne Tag. Selten, dass man so viele schöne Buchten und Strände auf so wenig Kilometern entdecken kann. Das ist die Bretagne!

Bretagneküste bei Lampaul-Plouarzel
Bretagneküste bei Lampaul-Plouarzel

Freut euch auf den nächsten Artikel! Dann fahren wir durch Brest und weiter in den Süden auf die Halbinsel von Crozon.

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