Tag 3: Die Opalküste von Dunkerque bis nach Cayeux in der Picardie

Tag 3: Die Opalküste von Dunkerque bis nach Cayeux in der Picardie
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Nach dem ersten wirklichen Urlaubstag in Nordfrankreich sollte heute also der Weg in eine neue, unbekannte Gegend führen. Die Strecke bis Calais war uns ja wohl bekannt durch unsere Schottland-Fahrten, jetzt ging es an der Küste weiter Richtung Westen.

Am Weg nach Süd-Westen

Unsere Nacht war immer noch etwas mühsam, denn das Thermometer wollte einfach nicht sinken. Spätabends waren es draußen und drinnen immer noch um die 30 Grad. Die Pferdefreunde sind abends nach ihrer Rückkehr vom Strand bald verschwunden und auch die mittlerweile angereisten Kuschelcamper hinter uns haben durch Ruhe geglänzt. Gesehen haben wir sie ja auch nur im Rückspiegel des Fahrerhauses. Nach dem Aufstehen hatten wir uns entschieden, hier noch nicht zu frühstücken und uns lieber einen schönen Platz mit Aussicht zu suchen. So führte uns der frühmorgentliche Weg bald raus aus Bray-Dunes auf die (nicht gebührenpflichtige) Autobahn in Richtung Calais. Wir passierten Dunkerque und kamen bald an das große Autobahnkreuz, wo es bei Calais zum Tunnel unter dem Ärmelkanal geht. Die Kontrollstationen sind von der Autobahn aus bereits zu sehen. Doch wir sind nicht abgebogen und haben uns in Richtung Calais orientiert. Unser Weg führte uns nämlich in den ersten Supermarkt, den wir in Frankreich besucht haben. Eine Leidenschaft, die wir beide teilen: Bummeln in fremdländischen Supermärkten und das unbekannte Angebot auf sich wirken lassen.

Shoppingerlebnis

Nicht ganz unerwartet hinterließ dieser Carrefour Marché einen bleibenden Eindruck. Von außen ein ganz normaler mittelgroßer Supermarkt, von innen ein Einkaufstempel mit einer Sortimentsbreite und -tiefe, die man in Deutschland gerade noch von einem Großhandel wie Metro kennt. Allein die Auswahl an verpackter Wurst ist nichts für überzeugte Vegetarier. Aber das war nur ein Teil des Erlebnisses. Natürlich haben wir beim Brot zugeschlagen und zum ersten Mal auf der Reise die bekannten Weißmehlprodukte namens Baguette ins Auto geschleppt. So gibts das in Deutschland wirklich nicht. Lecker, knusprig und vor allem ultimativ günstig deutlich unter einem Euro pro Brot.

Ohne Calais weiter zu besuchen sind wir nach dem Aufstocken unserer Lebensmittelbestände nicht wieder auf die Autobahn zurückgefahren, sondern haben uns am Ortsrand auf die kleineren Straßen in Richtung Küstenlinie aufgemacht. Und tatsächlich beginnt westlich von Calais, welches wir in Richtung dem kleinen Dorf Sangatte verlassen, eine hügelige Küstenstraße mit den ersten schönen Ausblicken auf die Küste und Klippen. Und wir sind so froh, als wir das Thermometer im Cockpit des Ducato beobachten, wie es langsam sinkt.

 

 

Le Cap Blanc Nez

Auf der Routenliste stehen zwei Aussichtspunkte, die wir uns während der Reisevorbereitung ausgekuckt haben. Das Cap Blanc Nez und das Cap Griz Nez. Also auf deutsch, Kap weiße Nase und Kap graue Nase. Zusammen bilden beide die Gegend der zwei Kaps “Le site des deux caps”.


Schlaui WomiDie Namen der beiden Landspitzen rühren von der Farbe des Gesteins her. Der offenliegende Felsen des Cap Griz Nez ist grau im Gegensatz zum nicht weit entfernten Cap Blanc Nez (weiß). Und jetzt kommen wir zum ersten Küstenabschnitt, den wir im Laufe dieser Reise kennengelernt haben, und an euch weitergeben. Hier oben bei Dunkerque beginnt die sogenannte Opalküste (La Côte d’Opale). Der Name kommt von der bläulich-grünen Färbung des Wassers, die auch aus dem Auto deutlich wahrzunehmen ist. Sie läuft wie gesagt von der Küste des Pas-de-Calais bis hinunter zur Mündung der Somme, was ungefähr 150 km Fahrt mit dem Auto sind. Die Küste ist geprägt von langen Sandstränden und den Mündungen der Flüsse Somme, Authie und Canche. Im südlichen Verlauf der Küste gibt es viel Dünenlandschaft, welche wir auch besucht haben. Im Laufe der Reise werden wir noch weitere Küstenabschnitte kennenlernen, die besondere Namen haben.


Wir steuern also den ersten Punkt an, das Cap Blanc Nez, und sind erstmal genervt und enttäuscht, denn eine Einfahrtsbeschränkung in Form eines Holzbalkens über der Einfahrt verwehrt uns das Weiterkommen zum Parkplatz. Wir sehen den kurzen Wanderweg vom Parkplatz zur Klippenspitze mit dem Obelisken, können aber nicht halten. Unser Womi hat mehr Höhe als die 2,1 m. Also fahren wir weiter, als ich im Augenwinkel eine Abzweigung sehe, die gegenüber dem versperrten Parkplatz auf die küstenabgewandte Seite führt. Schnell gewendet versuche ich dort unser Glück. Der Kiesweg führt ein kleines Stück den Berg hinauf und wir stehen auf einem leeren Platz vor einer Sendestation. Es ist der Mont Dubert, von dem wir einen klasse Ausblick auf die Küste und die umgebende Landschaft haben. Der Wind pfeift und wir freuen uns über 18 Grad. Die Wolken sind tatsächlich so tief, dass nicht weit über unser Auto die Schwaden ziehen. Das ist unser Frühstücksplatz.

Wir genießen das französische Frühstück mit Marmelade aus Dänemark und Rührei von Bio-Hühnern aus der Region. Nach einer Ruhepause sind wir gar nicht so unglücklich, dass wir es nicht auf den Touri-Parkplatz geschafft haben denn dieser Platz lohnt sich. Wir sind nicht so sicher, ob hier erwünscht ist, hier länger stehen zu bleiben, geschweige denn zu übernachten, und fahren nach einiger Zeit weiter. Der Weg führt auf der Landstraße weiter nach Süd-Westen vorbei am Städtchen Wissant. Nach Audinghen zweigt eine Straße nach Nord-Westen in Richtung Küste ab. Wir biegen dort ab und fahren weiter zum Cap Griz Nez.

Wanderweg zu den Klippen am Cap Griz Nez

Hier findet sich ein großer Parkplatz, der auch für Womi’s gut geeignet ist. Wir parken Womi und machen uns zu Fuß auf in Richtung Küstenweg. Eigentlich wollen wir nur die Aussicht genießen, treffen aber bald auf Geschichtsunterricht. Wir werden während der Reise noch sehr oft auf das treffen, was die Deutschen vor über 70 Jahren hier zurückgelassen haben. Im Übrigen trifft man auch an der dänischen Westküste regelmäßig auf Betonbunker in den Dünen. Es gibt drei Wege vom Startpunkt zu den Klippen. Schilder mit Illustrationen zeigen den Weg und die Geschichte dieses markanten Punktes an der Kanalküste, einem Teil des Atlantikwalls (le Mur de l’Atlantique). Als wir den östlichen Weg entlang spazieren werden wir mit einem Bilderbuch-Ausblick auf die Bucht mit dem wundervoll gelegenen Restaurant “La Sirène” belohnt.

Panoramablick auf die Opalküste in Frankreich am Cap Griz Nez. In der Bucht das Restaurant La Sirène.
Panoramablick auf die Opalküste in Frankreich am Cap Griz Nez. In der Bucht das Restaurant La Sirène.

Nach ein, zwei Stunden fahren wir die Küstenstraße weiter in Richtung Süden und passieren den Golfplatz von Wimereux und das gleichnamige Städtchen. Die Landschaft ist durchaus dünenartig, wie wir es von der Nordseeküste her kennen. Wir befinden uns immer noch im Département Pas-de-Calais in der Région Hauts-de-France, also der nördlichsten Verwaltungseinheit und erreichen eine größere Stadt, Boulogne-sur-Mer. Allerdings bleiben wir dort nicht allzu lange sondern setzen unsere Strecke nach Süden fort. In Boulogne gibt es einen schönen Hafen und ein Meeresaquarium namens “Nausicaá, La Mer est sur Terre“, das zumindest von der Website her bestimmt ein tolles Erlebnis ist, gerade wenn man mit Kindern unterwegs ist. Mit 19 € Eintritt für Erwachsene und 12,50 € für Kinder sicher aber kein Schnäppchen.

Da es schon so langsam gegen 17 Uhr geht, gehen wir in den Modus zum Übernachtungsplatz-Suchen über. Direkt an der Mündung der Somme habe ich als Vorbereitung den Ort Le Hourdel als potenziellen Übernachtungsplatz mit Aussicht ausgemacht. Diesen steuern wir jetzt an. Am Weg dorthin passieren wir mit der Stadt Étaples und dem Strand von Le Touquet-Paris-Plage ein Highlight, dem wir uns aber aufgrund der späten Uhrzeit heute nicht widmen. In Le Hourdel angekommen sind wir überrascht, ist die Gegend doch unerwartet von Dünen und Sandstrand geprägt. Das Dörfchen an sich mit dem Leuchtturm bietet uns kaum Stellflächen, wir fahren ein klein wenig an der Strandstraße entlang Richtung Süden und erreichen einen ansprechenden Campingplatz mit Stellplatz für Wohnmobilen vor der Einfahrt direkt an den Dünen. Der Camping Les Galets de la Mollière ist für uns heute der ideale Stellplatz für die Nacht. Wir checken ein und erkunden die Sanitäranlagen und die weiteren Häuschen. Die Übernachtung kostet uns 7€ für den Stellplatz außerhalb inklusive Nutzung der Sanitäranlagen.

Dünen-Feeling an der Kanalküste

Natürlich dauert es nicht lange, bis wir so viel Lust bekommen, zum Strand zu wandern, dass wir direkt aufbrechen. Die Tag neigt sich dem Ende entgegen und die späte Sonne färbt alles gelb-orange. Wir stehen direkt am Eck des staubigen Stellplatzes und können gleich auf den Trampelpfad einbiegen. Dänemark-Feeling kommt auf, als wir die Dünen hochklettern und das Dünengras uns in die Füße piekst. Der Ausblick auf der Meer belohnt die Mühe des Kletterns. Die üblichen Kitschfotos vom Sonnenuntergang am Dünenstrand folgen. Sorry. Nach panierten Schnitzeln mit Bratkartoffeln fallen wir ins Bett.

Hier in La Mollière etwa 10 Kilometer nördlich von Cayeux-sur-Mer befinden wir uns im Département Somme, was heute zur Région Hauts-de-France gehört, früher zur Picardie. Am nächsten Tag werden wir bei Tréport die Grenze zur Normandie überqueren, und ich kann versprechen, es wird immer schöner werden, je weiter wir nach Westen fahren. Dranbleiben, in Kürze geht es weiter mit unserem Reisebericht.

Reiseliteratur zum Weiterlesen

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