Tag 8: Der Mont-Saint-Michel

Mont Saint Michel

Wie beim letzten Artikel schon geschrieben, haben wir einen historischen Tag hinter uns. An Omaha Beach und bei zwei Soldatenfriedhöfen haben wir uns mit dem Jahr 1944 beschäftigt. Ein Programmtag, den jeder Normandie-Besucher machen sollte. Wir nähern uns mit großen Schritten der Grenze zur Bretagne und steuern den Campingplatz „Camping du Mont-Saint-Michel“ an. Er wird unsere Homebase für den Besuch des berühmten Klosterbergs Mont-Saint-Michel.

Es ist Abend als wir ankommen und uns am Stellplatz zwischen Hecken einrichten. Das Dorf ist ein künstliches Örtchen für Touristen und mit dem Auto nur durch eine Schranke zu erreichen. Sonstige Tagesbesucher (ohne Hotel- oder CP-Reservierung) müssen am großen Parkplatz außerhalb parken. Mit dem Pendelbus erreicht man den Mont-Saint-Michel einfach und schnell. Und genau das wollen wir doch noch heute Abend ausprobieren.

Mit dem Shuttlebus zum Berg

Bereits im Shuttlebus sieht man den Berg am Horizont
Bereits im Shuttlebus sieht man den Berg am Horizont

Die Haltestelle ist genau außerhalb des Campingplatzes. Wir steigen in einen modernen, etwas futuristisch aussehenden Linienbus und fahren in Richtung Berg. Nach einer weiteren Haltestelle geht es auf den neu errichteten Stelzendamm durch das Wattenmeer. Die Dame am Empfang hatte uns darauf hingewiesen, dass es bei Flut und besonders hoher Tide vorkommen kann, dass die letzten Meter am Berg überschwemmt sind und man dann für eine kurze Zeit nicht mehr rein oder raus kommt. Momentan ist Ebbe, aber wir wollen aber eh nicht mehr rein, sondern nur mal von außen schauen. Und wir sind beeindruckt. Schon bei der Fahrt mit dem Bus sieht man den Berg und seine am endlosen Horizont eingezeichnete Silhouette.

Die beeindruckende Silhouette des Mont-Saint-Michel

Während wir viele Fotos machen – wie übrigens auch alle anderen Leute, die mit uns dort sind – wird mir schlagartig klar, warum der Bus so seltsam aussieht. Er hat auf beiden Seiten einen Führerstand und kann ohne Wenden „rückwärts“ vorwärts wieder zurückfahren. Der Fahrer schaltet das Licht um und geht durch den Bus zum Fahrersitz auf der anderen Seite.

Mont-Saint-Michel bei Sonnenuntergang
Mont-Saint-Michel bei Sonnenuntergang

Langsam beginnt die Sonne unterzugehen und wir sind zufrieden und glücklich, dass wir diesen kleinen Abendausflug noch gemacht haben. Es gibt unglaublich schöne Bilder vom Mont-Saint-Michel vor dem Hintergrund der untergehenden Sonne. Wir entschließen uns, zu Fuß zurückzugehen. Es sind geschätzt 30 Minuten Fußweg bis wir die Ortsgrenze wieder erreichen und dann nochmal 15 Minuten bis zum Campingplatz. Der Bus braucht dafür ca. 10 Minuten. Es wäre eine ideale Strecke mit dem Fahrrad, wobei ich mir nicht sicher bin, wo man dann am Mont seine Fahrräder sicher parkt. Vielleicht gibt es da was, wir haben dort nicht drauf geachtet. Es geht vielleicht auch schneller, aber wir drehen uns immer wieder um und machen Fotos.

Die Sanitäranlagen des Campingplatzes sind eher mittelmäßig. Trotzdem bleibt uns der Platz in guter Erinnerung, wohl auch wegen der strategisch günstigen Lage direkt am Pendelbus. Es ist bestimmt nicht die günstigste Art, dort zu übernachten, aber einfach sehr praktisch. Wir schlafen gut und genießen das Frühstück im Womi. Als wir gegen 10 Uhr erneut zum Mont aufbrechen, ist das Wetter leider nicht so erfreulich. Direkt nach dem Aussteigen aus dem Bus am Fuße des Berges regnet es in Strömen. Wir haben außer unseren Kapuzen der Jacken nichts weiter zum Regenschutz dabei und werden ziemlich nass, als wir an der Engstelle des Eingangs zum Berg in einer längeren Schlage warten müssen.

Enge Wege schlängeln sich nach oben

Schon ziemlich viele Menschen drängen sich mit uns den engen Eingang hinein und folgen dem schmalen Weg den Berg hinauf. Bald kommen erste Andenkenläden und Imbisse links und rechts und so flüchten wir uns in einen relativ großen Nippesladen und hoffen auf Wetterbesserung. Hier gibt es alles rund um den Mont-Saint-Michel in allen erdenklichen Formen. Vom Krug über Postkarten bis hin zum Mittelalter-Schwert im Game of Thrones Style. Winter is coming – aber wir hoffen eher auf das baldige Regenende und werden tatsächlich belohnt.

Es geht immer weiter nach oben, die Gassen schlängeln sich zwischen den Geschäften in Serpentinen in Richtung Abtei. Ab und zu kann man nach außen hin abbiegen und hat bei den Außenmauern einen starken Ausblick auf das Wattenmeer und bestaunt die kleinen Ameisen, die der Shuttlebus unten auswirft. Alles ist topsauber und renoviert, auf alt gemachte Steinhäuser wechseln sich mit Fachwerkbauten ab. Irgendwann dröhnt plötzlich ein lautes Donnern über uns und als wir nach oben schauen sehen wir den Hubschrauber direkt über unsere Köpfe abheben und in Richtung Land fliegen. Später werden wir erfahren, dass dies leider der Grund ist, warum die obere Plattform nicht für uns zugänglich ist. Wegen Bauarbeiten ist dieser schöne Bereich geschlossen, und eben wegen Hubschrauberverkehr, der Baumaterial anliefert.

 

Schlaui Womi

Der Mont-Saint-Michel

Der kegelförmig angelegte Bau auf einer Felseninsel vor der Kanalküste der Normandie hat eine sehr lange und belebte Geschichte. Die ersten Ursprünge gehen zurück auf das Jahr 708. Hier wurde Bischof Aubert von Avranches in einem Traum vom Erzengel Gabriel aufgefordert, eine Kirche für ihn zu bauen. Bis ins 10. Jahrhundert zurück reichen Fundamente der Kirche Notre-Dame-sous-Terre zurück. Ab dem Jahr 966 sind Benediktinermönche für die Abteil verantwortlich. Einige Jahrhunderte wurde weiter an den Gebäuden am Berg gearbeitet und so verschmelzen verschiedenste Baustile wie die Romanik oder die Gotik in den Gebäuden. Auch wurde der Berg später wie eine Festung ausgebaut, um verschiedene Kriege zu überstehen, zum Beispiel die Hugenottenkriege im 16. Jahrhundert. Während der Französischen Revolution wurde aus dem Mont-Saint-Michel ein Gefängnis. Erst in den 1960er Jahren zogen wieder Mönche in die Gebäude ein.  Seit 1979 ist sowohl die Abteil als auch die Bucht Mont-Saint-Michel UNESCO Weltkulturerbe.

Die Abteikirche und weitere Räume

Raum im Inneren der Abtei Mont-Saint-Michel
Raum im Inneren der Abtei Mont-Saint-Michel

Auf vielleicht geschätzt 3/4 der Höhe angekommen wird Eintritt in die Abtei verlangt. Man könnte hier auch umdrehen, aber wir wollen alles sehen und zahlen die 9 Euro pro Person. Es lohnt sich. Ein verschlungener Weg führt durch die Kirche und diverse Abteiräume aus verschiedenen Jahrhunderten so langsam wieder nach unten. Der Rundgang dauert in etwas eine halbe Stunde, wenn man nur langsam durchspaziert. Mit einem Audioguide, den man sich ausleihen kann, dauert es natürlich länger und man bekommt viel mehr erzählt.

 

Wir sind total glücklich, denn der Mont-Saint-Michel ist eines der Highlights der gesamten Reise, auf das ich mich sehr gefreut habe. So prägnant die Bauten auf dem Berg auch sind, so einzigartig ist auch die Natur drumherum. Mit bis zu 13 Metern gibt es an dieser Stelle der Küste den größten Tidenhub von ganz Europa, also den Unterschied zwischen Ebbe und Flut. Ein tolles Schauspiel, das man so selten sieht.

 

Schlaui Womi

Die Insel wieder zur Insel machen

Die Existenz des Berges als Insel war übrigens lange Zeit gefährdet. Das Jahr 1879 läutet mit dem Bau eines Dammes vom Festland bis zum Inselberg das Zeitalter des Tourismus am Mont-Saint-Michel ein. Besucher konnten ab diesem Moment entspannt und trockenen Fußes zum Berg gelangen, während die Pilger und Mönche bisher eine durchaus schwierige und nicht ungefährliche Anreise hatten. Der Damm hatte aber das empfindliche Ökosystem des Wattenmeers gestört. Wasser konnte bei Ebbe bzw. Flut nicht mehr wie bisher zu- und abfließen. Der angetragene Sand verlandete zunehmend den Berg. Ich konnte bei meinem ersten Besuch 1994 noch mit dem Auto über den Damm fahren und auf dem Parkplatz direkt vor dem Berg parken. Dies geht heute nicht mehr. In den 90er Jahren hat die französische Regierung einen Plan beschlossen, um den Berg wieder zur Insel zu machen. Der Damm wurde abgerissen, der Parkplatz entfernt und stattdessen eine auf Pfählen stehende Straße errichtet, unter der das Wasser störungsfrei bei Tide fließen kann. Hier fährt heute der Shuttlebus. Der Sand wird nun wieder abtransportiert, die Insel scheint gerettet.

 

Während wir die engen Gassen wieder nach unten gehen, kommen uns Unmengen von Schulkindern entgegen. Alle sehr leicht durch eine blaue Cap zu erkennen. Der Mont-Saint-Michel scheint ein gern genutztes Ausflugsziel für Schulklassen zu sein.

Geplättet vom vielen Laufen sitzen wir mit einem Lächeln auf dem Gesicht wieder im Pendelbus und fahren zurück zu Womi. Unser Besuch hat knapp drei Stunden gedauert als wir unsere Sachen verstauen und aufbrechen. Wir wollen nun weiter nach Westen und überqueren direkt westlich vom Mont-Saint-Michel die Grenze von der Normandie zur Bretagne.

Mehr Infos zum Mont-Saint-Michel: http://www.bienvenueaumontsaintmichel.com

Willkommen in der Bretagne

Steinfassaden dominieren den Hausbau in der Bretagne
Steinfassaden dominieren den Hausbau in der Bretagne

Kaum in der Bretagne angekommen, verändern sich die Häuser. Es wird felsiger, steiniger. Nach einem Einkaufsstopp in Pontorson fahren wir an der Küstenlinie entlang in Richtung Westen auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz. Als erstes stoßen wir auf einen Stellplatz bei Hirel. Die Entsorgungseinrichtungen sehen gut aus, aber mit der Location direkt an der Straße sind wir nicht zufrieden. Die Aussicht ist einfach zu trist. Ein klein wenig weiter in Saint-Benoît-des-Ondes finden wir Gefallen am Camping Municipal direkt am Strand. Wir mieten uns ein und stellen uns direkt an den Zaun mit Blick auf das Wattenmeer, das gerade nicht da ist.

Das kleine Örtchen hat einige Geschäfte zu bieten. Wir genießen aber erstmal die Ruhe nach dem aufregenden Tag am Mont-Saint-Michel, lassen die Bilder der Normandie an unserem geistigen Auge vorbei fliegen und planen die weitere Route durch die Bretagne. Wie es weitergeht, lest ihr im nächsten Artikel.

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