Nach dem ersten wirklichen Urlaubstag in Nordfrankreich sollte heute also der Weg in eine neue, unbekannte Gegend führen. Unsere Nacht war immer noch etwas mühsam, denn das Thermometer wollte einfach nicht sinken. Spätabends waren es draußen und drinnen immer noch um die 30 Grad. Nach dem Aufstehen hatten wir uns entschieden, hier noch nicht zu frühstücken und uns lieber einen schönen Platz mit Aussicht zu suchen. So führte uns der frühmorgentliche Weg bald raus aus Bray-Dunes auf die (nicht gebührenpflichtige) Autobahn in Richtung Calais. Wir passierten Dunkerque und kamen bald an das große Autobahnkreuz, wo es bei Calais zum Tunnel unter dem Ärmelkanal geht.

Ohne Calais weiter zu besuchen sind wir nach dem Aufstocken unserer Lebensmittelbestände nicht wieder auf die Autobahn zurückgefahren, sondern haben uns am Ortsrand auf die kleineren Straßen in Richtung Küstenlinie aufgemacht. Und tatsächlich beginnt westlich von Calais, welches wir in Richtung dem kleinen Dorf Sangatte verlassen, eine hügelige Küstenstraße mit den ersten schönen Ausblicken auf die Küste und Klippen.

Le Cap Blanc Nez

Auf der Routenliste stehen zwei Aussichtspunkte, die wir uns während der Reisevorbereitung ausgekuckt haben. Das Cap Blanc Nez und das Cap Griz Nez. Also auf deutsch, Kap weiße Nase und Kap graue Nase. Zusammen bilden beide die Gegend der zwei Kaps “Le site des deux caps”.

Schlaui WomiDie Namen der beiden Landspitzen rühren von der Farbe des Gesteins her. Der offenliegende Felsen des Cap Griz Nez ist grau im Gegensatz zum nicht weit entfernten Cap Blanc Nez (weiß). Und jetzt kommen wir zum ersten Küstenabschnitt, den wir im Laufe dieser Reise kennengelernt haben, und an euch weitergeben. Hier oben bei Dunkerque beginnt die sogenannte Opalküste (La Côte d’Opale). 

Wir steuern also den ersten Punkt an, das Cap Blanc Nez, und sind erstmal genervt und enttäuscht, denn eine Einfahrtsbeschränkung in Form eines Holzbalkens über der Einfahrt verwehrt uns das Weiterkommen zum Parkplatz. Aber ein Kiesweg führt ein kleines Stück den Berg hinauf und wir stehen auf einem leeren Platz vor einer Sendestation. Es ist der Mont Dubert, von dem wir einen klasse Ausblick auf die Küste und die umgebende Landschaft haben. Der Wind pfeift und wir freuen uns über 18 Grad.

Wir genießen das französische Frühstück mit Marmelade aus Dänemark und Rührei von Bio-Hühnern aus der Region. Der Weg führt auf der Landstraße weiter nach Süd-Westen vorbei am Städtchen Wissant. Nach Audinghen zweigt eine Straße nach Nord-Westen in Richtung Küste ab. Wir biegen dort ab und fahren weiter zum Cap Griz Nez.

Wanderweg zu den Klippen am Cap Griz Nez

Hier findet sich ein großer Parkplatz, der auch für Womi’s gut geeignet ist. Wir parken Womi und machen uns zu Fuß auf in Richtung Küstenweg. Schilder mit Illustrationen zeigen den Weg und die Geschichte dieses markanten Punktes an der Kanalküste, einem Teil des Atlantikwalls (le Mur de l’Atlantique). Als wir den östlichen Weg entlang spazieren werden wir mit einem Bilderbuch-Ausblick auf die Bucht mit dem wundervoll gelegenen Restaurant “La Sirène” belohnt.

Panoramablick auf die Opalküste in Frankreich am Cap Griz Nez. In der Bucht das Restaurant La Sirène.
Panoramablick auf die Opalküste in Frankreich am Cap Griz Nez. In der Bucht das Restaurant La Sirène.

Nach ein, zwei Stunden fahren wir die Küstenstraße weiter in Richtung Süden und passieren den Golfplatz von Wimereux und das gleichnamige Städtchen. Die Landschaft ist durchaus dünenartig, wie wir es von der Nordseeküste her kennen. Wir befinden uns immer noch im Département Pas-de-Calais in der Région Hauts-de-France, also der nördlichsten Verwaltungseinheit und erreichen eine größere Stadt, Boulogne-sur-Mer.

Am weiteren Weg passieren wir mit der Stadt Étaples und dem Strand von Le Touquet-Paris-Plage ein Highlight, dem wir uns aber aufgrund der späten Uhrzeit heute nicht widmen. In Le Hourdel angekommen sind wir überrascht, ist die Gegend doch unerwartet von Dünen und Sandstrand geprägt. Der Camping Les Galets de la Mollière ist für uns heute der ideale Stellplatz für die Nacht. Wir checken ein und erkunden die Sanitäranlagen und die weiteren Häuschen. Die Übernachtung kostet uns 7€ für den Stellplatz außerhalb inklusive Nutzung der Sanitäranlagen.

Dünen-Feeling an der Kanalküste

Natürlich dauert es nicht lange, bis wir so viel Lust bekommen, zum Strand zu wandern, dass wir direkt aufbrechen. Dänemark-Feeling kommt auf, als wir die Dünen hochklettern und das Dünengras uns in die Füße piekst. Der Ausblick auf der Meer belohnt die Mühe des Kletterns. Die üblichen Kitschfotos vom Sonnenuntergang am Dünenstrand folgen.

Hier in La Mollière etwa 10 Kilometer nördlich von Cayeux-sur-Mer befinden wir uns im Département Somme, was heute zur Région Hauts-de-France gehört, früher zur Picardie. Am nächsten Tag werden wir bei Tréport die Grenze zur Normandie überqueren, und ich kann versprechen, es wird immer schöner werden, je weiter wir nach Westen fahren.

 

Weiter zu Tag 4: An der Küste entlang über Dieppe bis nach Fécamp

 

 

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