Teppich fürs Wohnmobil selbermachen – günstig und gemütlich

Teppich im Wohnmobil

Woher bekomme ich einen gemütlichen Teppich ins Wohnmobil? Viele stellen sich diese Frage. Beim Bestellen unseres Wohnmobils hatten wir uns damals gegen einen Teppichboden bzw. den zusätzlich angebotenen Teppich entschieden. Einerseits hat der Originalteppich doch einen „stolzen“ Preis, andererseits waren wir sicher, dass ein glatter Boden viel pflegeleichter und genauso angenehm sein würde.

Die Vorgeschichte

Unser Wohnmobil kam also wie bestellt ohne Teppich und so legten wir als Schmutzbremse und zum Abstellen der Straßenschuhe an Stelle eines Teppichs erst mal nur einen (schönen und weichen) Fußabstreifer ins Wohnmobil. Und irgendwie war dieses kleine Stück Teppich sehr angenehm zum drauf Stehen und Gehen. Beim nächsten IKEA-Besuch haben wir dann zum Test mal 3 kleine quadratische Teppiche (Hampen) mitgenommen und direkt im Womi passend zugeschnitten. Der Happen überzeugte auf den ersten Blick durch Preis und Farbe, außerdem hoffte ich, dass man ihn mit der  Jute-Rückseite leicht zuschneiden kann und er auch nicht sehr ausfranst. Keine perfekte, aber eine schnelle Lösung, die Jute-Rückseite war gut zu verarbeiten und franste auch nur anfangs. Das wichtigste jedoch, der Teppich war – egal ob Sommer oder Winter – super angenehm und praktisch und so war die Entscheidung für einen Teppich im Wohnmobil gefallen …  wenn uns dann irgendwann mal was passendes begegnen würde.

Der neue Teppich fürs Wohnmobil

Eher zufällig habe ich letzte Woche habe ich beim Schwedisch-Shoppen dann den Langflor Teppich HÖJERUP entdeckt. Ähnlich unserem bewährten Testmodell, allerdings mit gummierter Rückseite und in einem schönen Braunton, der optimal ins Wohnmobil passen würde. Ich hoffte, dass die gummierte Rückseite etwas einfacher zu verarbeiten wäre und außerdem besser auf dem glatten Wohnmobil-Boden liegen würde. Der Preis war mit 19,99 für ein Stück mit 1,80m x 1,20m ganz akzeptabel und ich schätzte, dass 2 Teppiche für unser Wohnmobil ausreichen sollten und schon war das Projekt „Teppich für Womi“ gestartet.

Die Teppichvorlage

Den Happen hatte ich mehr schlecht als recht direkt im Wohnmobil zugeschnitten, diesmal wollte ich es etwas professioneller angehen und erst eine Vorlage aus Papier erstellen.  Mit einer großen Rolle extrabreitem Weihnachtspapier, Schere, Lineal und Bleistift habe ich dann erst mal unser Womi vermessen. Ich habe die Vorlagen in vier Stücken gemacht, den kompletten Gang, das Stück Dinette mit Übergang zum Fahrerhaus und die beiden Stufen. Das schwedische Weihnachtspapier entpuppte sich als optimal geeignet, es war überbreit, weich (und geduldig) zum Anpassen, dennoch aber stärker und damit widerstandsfähiger als das transparente Schnittpapier, aber dennoch so weich, dass der Bleistift beim Konturenzeichnen meist sogar die Kontur „geschnitten“ hat. Für die Vorlagen hatte ich die bunte Seite nach unten genommen, dann störte das Muster nicht. An etwas schwierigen Stellen wie der Dinette, kleinen Ecken oder den Heizungsauslässen habe ich das Papier mit Gewebeband noch etwas verstärkt und nachgeholfen. Ich hatte mir das Zeichnen ganz ehrlich problematischer vorgestellt und war darum wirklich überrascht, wie gut das geklappt hat.  Tipp: Bei Pack- oder Zeitungspapier unbedingt kennzeichnen, was Oben bzw. Unten ist.

Der Zuschnitt des Teppichs

Schnitte auf dem Teppich
Schnitte auf den Teppichen

Zum Zuschneiden habe ich erst die beiden Roh-Teppiche im Gang ausgerollt und eine Weile zum Glattwerden liegen gelassen. Glücklicherweise ist unser Gang sehr großzügig, denn die beiden Teppiche brauchen doch etwas Platz. Dank Tipp aus einem Forum hatte ich auch auf die Webrichtung der beiden Teppiche geachtet (d. h., dass alle Wollfäden in die gleiche Richtung liegen). Anschließend drehte ich die Teppiche um und legte die einzelnen Schnittteile auf die Teppiche. Die einzelnen Schnitte – jetzt mit der bunten Seite oben – passten erstaunlich gut auf die beiden Teppichteile (Rückseite oben!) – und mit der bunten Seite des Geschenkpapiers war die Unterscheidung Vorder-/Rückseite auch sehr einfach. Da unser Wohnmobil-Gang länger als die 1,80m des Teppichs ist, habe ich das Schnittmuster an passender Stelle geteilt. Mit einigen Stecknadeln habe ich das Papier auf dem Teppich fixiert und danach übertrug ich die Schnitte mit einem Edding auf die Teppichrückseite – Kreide hatte nicht funktioniert, und auf der Rückseite fällt der Edding im Wohnmobil auch nicht auf.

Teppich fürs Wohnmobil
Zuschneiden der Teppichstücke

Anschließend habe ich die einzelnen Teppichstücke passend für unser Wohnmobil ausgeschnitten. Da nur der Womi-Teppich und nicht auch der Gangteppich geschnitten werden sollte, habe ich stückweise die Schneidematte * untergelegt.

Teppich im Wohnmobil
Ausschneiden der Aussparung für die Dinette

Geschnitten habe ich den Teppich übrigens dann mit meinem Rollschneider *, da ich mit diesem lieber arbeite als mit dem Cuttermesser und der auch mit dem Schneiderlineal * super funktioniert. Kleine Stellen wurden mit der Schere geschnitten, auch die runden Aussparungen für Heizungauslässe und den Tischfuß der Dinette haben sich gut mit der Schere schneiden lassen. Der Tischfuß erforderte leider auch zusätzlichen einen Schnitt, weil der Tisch zu groß für das Loch ist. Die gummierte Rückseite des Höjerup-Teppichs war zum Schneiden wirklich ideal und viel einfacher als die Jute-Rückseite des Hampen. Klar entstanden beim Schneiden des Langflors einige Fussel, die aber danach schnell zusammengesaugt waren.

Anpassen der Teppiche

Teppich im Wohnmobil
Anpassung an Stufe und Dinette
Teppich im Wohnmobil
Vor-Ort Anpassung an die Stufenkanten

Mit großer Spannung folgte dann die Anprobe im Wohnmobil. Ich hatte zur Sicherheit auch gleich noch eine Schere mitgenommen.

Obwohl es im Wohnmobil ziemlich kühl war, verbreitete der Teppich gleich ein viel wärmeres und wohnlicheres Gefühl. Und das Wichtigste, die zugeschnittenen Teppichstücke passten überraschend gut und ich musste nur an einigen Kanten noch etwas nachbessern – glücklicherweise war es nur etwas zuviel Teppich und nicht irgendwelche Löcher an unpassender Stelle.

Die Teppich-Kanten

Sicherlich überlegen jetzt viele, wie denn die Schnittkanten aussehen und vor allem, ob diese auch haltbar sind. Klar könnte die Kanten ketteln lassen, was ein Vielfaches des Teppichrohlings kosten würde und so in keinem Verhältnis steht. Der Höjerup ist hier wirklich genial, denn dank der gummierten Rückseite franst nicht aus. Lediglich die Sichtkante des kleinen Teppichs auf der Stufe zum Bett war anfangs nicht so schön, mit etwas Nachbessern hat sich das aber auch beheben lassen. Alternativ kann man auch etwas Gewebeband umkleben oder die Teppichkante umklappen und auf der Unterseite befestigen.

Erstes Fazit

Wir sind von unserem neuen Teppich im Wohnmobil total begeistert. Der Teppich sieht wirklich schön aus und gibt dem ganzen eine angenehm wohnliche Atmosphäre. Die Anpassung ging weitaus einfacher und schneller als erwartet und hat super funktioniert. Klar gibt es professionellere Lösungen mit Teppichboden aus dem Fachhandel, der nach dem Zuschnitt dann auch noch eingekettelt werden kann. Diese sind sicherlich haltbarer und vermutlich auch noch etwas schöner, aber auch um ein Mehrfaches teurer.
Der Höjerup-Teppich von IKEA ist hier quasi perfekt geeignet und dabei auch noch sehr preisgünstig. Wenn er wirklich unansehnlich wird, dann kann er bei Bedarf auch schnell mal ausgetauscht werden. Immerhin sparen wir uns künftig die Zeit für die Erstellung der Schnittmuster, denn die sind an einem sicheren Ort im Keller aufbewahrt.

Zweites Fazit nach einem Jahr

Wir sind immer noch begeistert von unserem Höjerup-Womi-Teppich. Der Teppich ist zu jeder Jahreszeit super angenehm, egal ob im Winter mit Socken oder im Sommer auch mal barfuß. Unterwegs haben einen kleinen Akkusauger dabei, außerdem schütteln wir den Teppich bei Bedarf einfach mal kräftig vor dem Womo aus. Und zu Hause gibt es dann regelmäßig eine Pflege mit  Teppichklopfer und „großem“ Staubsauger. Der Höjerup hält sich wirklich gut, einzig der längere Flor zeigt mittlerweile ein paar leichte Gebrauchsspuren.

Tipp zum Weiterlesen …

Nie mehr zum Wintercamping, ohne unseren Wohnmobil-Winterfest-Ratgeber gelesen zu haben

 

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5 Kommentare


  1. Moin Andreas,

    danke für die vielen guten Beiträge, ich lese Deinen Blog wirklich sehr gerne!
    Ich habe eine Frage zu diesem Thema: Du schreibst „Dank Tipp aus einem Forum hatte ich auch auf die Webrichtung der beiden Teppiche geachtet.“ Was meinst Du damit, worauf sollte ich genau achten? Habe die Teppiche bereits im Keller liegen.

    Danke für eine Antwort.

    Viele Grüße,
    Patrick

    Antworten

    1. Hallo Patrick,

      danke fürs Feedback .
      Was mit „Webrichtung“ gemeint ist, erkennst du nach dem Auspacken der Teppiche normalerweise zienlich einfach – der Teppich hat von jeder Seite einen leicht anderen Glanz, das höbgt eben davon ab, in welche Richtung der Flor, also jeder einzelne Faden, liegt. Das kommt von der Herstellung und wird Webrichtung genannt. Am besten fir Teppiche vor dem Schneiden aneinanderlegen und schauen, dass es gut aussieht – und dann brim umdrehen auch beide in die gleiche Richtung undrehen.
      Wenn die beiden Teppichstpcke spöter dann an einem Stück liegen, fällt die Kante nicht bzw. kaum auf, wenn beide Stücke die gleiche „Webrichtung“ haben, also die Wollfasern in die gleiche Richtung liegen.
      ich hoffe, dies hilft dir weiter – und dann viel Spaß mit dem neuen Teppich .

      Antworten

      1. Hallo Birgit,

        vielen Dank für Deine schnelle und gut beschriebene Antwort, ich denke damit kann ich etwas anfangen.

        Dir ein schönes Wochenende!

        Viele Grüße,
        Patrick

        Antworten

  2. Hallo Andreas,
    danke für den Tipp, das werde gerne bald mal mit dem noch vorhandenen Rest ausprobieren.
    Beweisfoto folgt.
    Viele Grüße
    Birgit

    Antworten

  3. Moinsen,

    danke für die gut beschriebene Lösung für den Teppichboden. Die Sichtkante an der Treppenstufe kann vermieden werden, wenn vorne ein Stück Zugabe gemacht worden wäre. Damit der Teppich „unten“ bleibt, vorsichtig auf Kantenhöhe von hinten den Teppichrücken einritzen und/oder doppelseitiges Klebeband an die Kante kleben. So bleiben die Möglichkeiten: Kante mit Filzstift einfärben, Reste von Teppichfusseln mit Klebstoff an der Kante befestigen, oder einfach ignorieren, muss ja nicht alles perfekt sein.

    Weiterhin knitterfreie Fahrt wünscht

    Andreas

    Antworten

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